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Stellungnahme der International Task Force for Prevention of Coronary Heart Disease zum Einsatz von Statinen
 
September 2001

Aufgrund der jüngsten Entscheidung, den Cholesterinsenker Cerivastatin vom Markt zu nehmen, trafen sich der Vorstand der International Task Force for Prevention of Coronary Heart Disease, unter dem Vorsitz von Herrn Professor Dr. Gerd Assmann, FRCP, Direktor des Instituts für Arterioskleroseforschung an der Universität Münster, und die International Atherosclerosis Society, vertreten durch deren Präsidenten, Herrn Prof. Dr. Heiner Gre-ten, ärztlicher Direktor der Medizinischen Kernklinik und Poliklinik, Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, anlässlich eines wissenschaftlichen Symposiums an der Rockefeller Universität in New York vom 8. bis 9. September 2001, um Nutzen und Sicherheit der Statine zu diskutieren. Folgende Beschlüsse wurden einvernehmlich gefasst:

Seit mehr als 10 Jahren werden Statine verwendet, um den Blutcholesterinspiegel zu senken. Großangelegte placebo-kontrollierte Studien bei etwa 30.000 Patienten mit den Statinen Lovastatin, Simvastatin und Pravastatin haben überzeugend belegt, dass die Medikamente das Risiko einen Herzinfarkt zu erleiden verringern und Todesfälle als Folge kardiovaskulärer Erkrankungen reduzieren. Dies gilt sowohl für Patienten mit bereits be-stehender koronarer Herzerkrankung als auch für diejenigen, die ein hohes Risiko für kardiovaskuläre Krankheiten besitzen. Zusammen mit neueren Statinen wie Atorvastatin und Fluvastatin wurden diese Präparate weltweit bei Millionen Patienten sicher eingesetzt. Dies ist ein Beweis dafür, dass ernsthafte Nebenwirkungen sehr selten sind. Ärzte und Patienten sollten darauf vertrauen, dass Statine ein wichtiges ja sogar unerlässliches Mittel zur Vorbeugung kardiovaskulärer Krankheiten darstellen. Die Rücknahme eines einzelnen Pharmazeutikums aus der Statingruppe (Cerivastatin) sollte nicht dazu führen, dass auf das Verschreiben anderer Statine bei Patienten mit Bedarf und ohne Kontraindi-kation verzichtet wird.

Um ein Maximum an Nutzen von der Statin-Therapie zu erzielen, sollten folgende Emp-fehlungen beachtet werden:

  1. Wie schon in früheren Dokumenten der International Task Force for Prevention of Coronary Heart Disease ausführlich erläutert (http://ww.chd-taskforce.com), sollte die Statin-Therapie gezielt bei Patienten mit hohem Risiko für koronare Herzer-krankung eingesetzt werden. Angina pectoris und ein durchgemachter Infarkt bei bereits bestehender arteriosklerotischer Grunderkrankung weisen auf ein solches hohes Risiko hin. Die Behandlung von Patienten mit bereits nachgewiesener Arte-riosklerose geschieht im Rahmen der sogenannten Sekundärprävention. Aber auch Menschen ohne eine solche bestehende Grundkrankheit können trotzdem ein hohes Risiko für ein baldiges klinisches Ereignis aufweisen. Die Höhe des Risikos kann mittels sogenannter Risiko-Algorithmen oder Risiko-Scores abgeschätzt werden, die auf prospektiven Studien an großen Bevölkerungsgruppen basieren. Personen mit Diabetes mellitus haben meist ein hohes Risiko. Die Behandlung von Patienten ohne Vorerkrankung erfolgt im Rahmen der sogenannten Primärprävention.
  2. Wie bei allen Medikamenten müssen Patienten vor Aufnahme einer Statin-Therapie auf die möglichen Nebenwirkungen dieser Behandlung hingewiesen werde. Muskelschäden (Myopathien) oder sie seltene schwere Form der Rhabdomyolyse können auftreten. Patienten sollten über die typischen Zeichen dieser Nebenwirkungen aufgeklärt werden. Diese sind Muskelschmerzen, Schwäche, Verdunklung des Urins, der eine kaffeeähnliche Färbung annehmen kann. In seltenen Fällen kann es auch zu Schäden der Leber (Hepatopathie) oder Magen-Darm Beschwerden kommen.
  3. Jede Statin-Therapie muss begleitet werden von Laboruntersuchungen, die die Wirksamkeit (Messung des LDL-Cholesterins) dokumentieren und mögliche Nebenwirkungen anzeigen.
  4. Bei Patienten mit weiteren Erkrankungen wie Nierenversagen (renale Insuffizienz) bzw. bei Patienten die gleichzeitig andere Medikamente erhalten (z.B. Fibrate, Cyclosporin, Erythromycin und Azol-Antimykotika) müssen die behandelnden Ärzte die Problematik erhöhter Wirkstoffkonzentration und die Problematik von Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten in Betracht ziehen. Solche Patienten bedürfen möglicherweise einer niedrigeren Dosierung oder Einstellung der Kombinationstherapie, spezieller Aufklärung über die Nebenwirkungen und unter Umständen auch weiterführender Labor-Untersuchungen. Die meisten Patienten unter einer Kombinationstherapie mit anderen Lipidsenkern, sollten für die Erstversorgung an einen Spezialisten überwiesen werden.
Die International Task Force for Prevention of Coronary Heart Disease ist eine Stiftung, die Vorstandsmitglieder sind Wissenschaftler aus verschiedenen Ländern.

 
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